German Dental ClinicDr Fenjero Walid · Smile Studio

Ratgeber · 4 Min. Lesezeit

Implantat aus Zirkonoxid oder Titan: was ist die bessere Wahl?

Titan bleibt der Standard in der Implantologie, doch Zirkonoxid spricht alle an, die ein metallfreies Implantat wünschen. Was die Studienlage sagt, Fall für Fall und ohne Voreingenommenheit.

Von Dr Fenjero Walid ·

Illustration: Implantat aus Zirkonoxid oder Titan: was ist die bessere Wahl?

Zirkonoxid oder Titan: die kurze Antwort

Titan ist seit Jahrzehnten das Referenzmaterial für Zahnimplantate: Es verfügt über die längste klinische Erfahrung, die größte Auswahl an Formen und prothetischen Teilen und eignet sich für nahezu jede Situation. Zirkonoxid ist eine weiße, metallfreie Keramik, die ebenfalls in den Knochen einheilt und vom Zahnfleisch sehr gut vertragen wird; sie ist in ausgewählten Fällen eine sinnvolle Alternative, mit kürzerer Erfahrung und mehr technischen Einschränkungen.

Es geht also nicht darum, welches Material absolut gesehen das bessere ist, sondern welches am besten zu Ihrem Mund, zur betroffenen Region und zu Ihren Erwartungen passt.

Wie ein Implantat in den Knochen einheilt

Ein Implantat funktioniert durch Osseointegration: Nach dem Einsetzen bildet sich Knochen in direktem Kontakt mit der Implantatoberfläche und verankert es fest, ohne dazwischenliegendes Gewebe. Dieser Vorgang dauert je nach Knochenqualität in der Regel einige Wochen bis wenige Monate.

Titan bildet von selbst eine dünne, sehr stabile Oxidschicht, die seine Biokompatibilität erklärt. Implantate bestehen meist aus Reintitan oder einer Titanlegierung, mitunter kombiniert mit Zirkonium für mehr Festigkeit bei geringen Durchmessern.

Das in der Implantologie verwendete Zirkonoxid ist eine Hochleistungskeramik, meist yttriumstabilisiertes Zirkoniumdioxid. Auch sie heilt ein, wenn ihre Oberfläche mikroskopisch aufgeraut ist, was die Anlagerung von Knochenzellen begünstigt.

In beiden Fällen hängt der Erfolg weniger vom Material als von den Bedingungen ab: Knochenangebot und Knochenqualität, chirurgische Technik, Primärstabilität, allgemeine Gesundheit, Mundhygiene und Nachsorge.

Stärken und Grenzen von Titan

Seine Stärken:

  • eine sehr umfangreiche klinische Erfahrung mit zahlreichen Langzeitstudien;
  • hervorragende mechanische Festigkeit, auch bei schmalen Implantaten;
  • zweiteilige Systeme: das Implantat im Knochen und ein darauf verschraubtes Abutment, das nach der Einheilung gewählt wird. So lassen sich eine Achse korrigieren, die Zahnfleischhöhe berücksichtigen und der Zahnersatz später austauschen;
  • Vereinbarkeit mit nahezu allen Verfahren: gleichzeitiger Knochenaufbau, Sofortbelastung, festsitzende Versorgung ganzer Kiefer, implantatgetragene Prothesen.

Seine Grenzen:

  • die graue Farbe kann in seltenen Fällen durch sehr dünnes Zahnfleisch im sichtbaren Bereich durchschimmern. Das lässt sich oft durch eine korrekte Implantatposition, ein Keramikabutment und bei Bedarf eine Verdickung des Zahnfleischs vermeiden;
  • manche Patienten möchten grundsätzlich auf Metall verzichten, ein berechtigter Wunsch, der besprochen werden sollte.

Stärken und Grenzen von Zirkonoxid

Seine Stärken:

  • eine weiße Farbe, ähnlich der einer natürlichen Wurzel, vorteilhaft bei dünnem Zahnfleisch oder möglichem späterem Zahnfleischrückgang im ästhetischen Bereich;
  • eine gute Reaktion des Weichgewebes, mit Zahnfleisch, das sich eng um den Implantathals anlegt;
  • eine geringere Plaqueanlagerung auf Zirkonoxidoberflächen, die in mehreren Laborstudien beobachtet wurde;
  • Metallfreiheit, die manche Patienten ausdrücklich wünschen.

Seine Grenzen:

  • kürzere klinische Erfahrung als bei Titan, vor allem bei den neuesten Systemen;
  • ein spröderes Material: Es hält Druck sehr gut stand, verträgt Biegekräfte aber weniger, daher Vorsicht bei geringen Durchmessern und bei Menschen, die pressen oder knirschen;
  • viele Zirkonoxidimplantate sind einteilig (Implantat und Abutment aus einem Stück). Die Achse lässt sich nach dem Einsetzen nicht mehr korrigieren, was eine sehr genaue Planung erfordert, und das Implantat ragt ab dem Eingriff durch das Zahnfleisch, sodass es während der Einheilung vor Belastung geschützt werden muss;
  • zweiteilige Systeme gibt es, doch die Verbindung zwischen Implantat und Abutment bleibt ein technisch sensibler Punkt;
  • weniger Möglichkeiten bei manchen komplexen Versorgungen und beim gleichzeitigen Knochenaufbau.

Titanallergie: was ist davon zu halten?

Das ist eine der häufigsten Fragen. Eine echte Titanallergie gilt als selten und ist schwer nachzuweisen. Klassische Epikutantests sind für dieses Metall wenig aussagekräftig, und manche zur Erkennung angebotenen Bluttests sind in der Fachliteratur umstritten.

Einige hilfreiche Anhaltspunkte:

  • eine Nickelallergie, die durch Schmuck häufig ist, bedeutet keine Titanallergie; das für Implantate verwendete Reintitan enthält kein Nickel;
  • Schmerzen, Entzündungen oder Knochenabbau um ein Implantat beruhen weit häufiger auf einer Infektion (Mukositis oder Periimplantitis), einer Überlastung oder einer ungünstigen Position als auf einer Allergie;
  • wenn Sie mehrere Allergien, ein Kontaktekzem oder Reaktionen auf Medizinprodukte in der Vorgeschichte haben, teilen Sie dies mit: Ihr Zahnarzt berücksichtigt es und kann Sie an einen Allergologen überweisen.

Für Patienten, die Metall vermeiden möchten oder einen begründeten Verdacht haben, ist Zirkonoxid eine Option, die man im Wissen um ihre Einschränkungen besprechen kann.

Wie Sie je nach Situation entscheiden

Mehrere Kriterien leiten die Wahl:

  • Die Region: Im Seitenzahnbereich mit hohen Kaukräften bietet Titan eine mechanische Sicherheitsreserve. Im Frontzahnbereich mit dünnem Zahnfleisch kann Zirkonoxid ästhetische Vorteile haben.
  • Das Knochenangebot: Ist gleichzeitig ein Knochenaufbau nötig oder die ideale Achse schwer erreichbar, ist ein zweiteiliges Titansystem meist flexibler.
  • Anzahl der Implantate und geplanter Zahnersatz: Für einen ganzen Kiefer, eine festsitzende Brücke auf mehreren Implantaten oder eine Sofortbelastung sind Titanlösungen derzeit am besten dokumentiert.
  • Bruxismus: Pressen oder Knirschen spricht für Zurückhaltung bei Keramik.
  • Ihre Erwartungen: Wunsch nach metallfreier Behandlung, Sorge vor einer Allergie, besondere ästhetische Ansprüche.

Unabhängig vom Material ist die Pflege dieselbe: gründliches Zähneputzen, Reinigung der Zahnzwischenräume, regelmäßige Kontrollen und professionelle Reinigung. Was ein Implantat lange halten lässt, lesen Sie in unserem Beitrag zur Lebensdauer eines Zahnimplantats, Warnzeichen erklärt der Beitrag zur Periimplantitis.

Fragen an Ihren Zahnarzt: Welches System empfehlen Sie und warum? Ist es einteilig oder zweiteilig? Welche prothetischen Teile werden verfügbar sein, wenn die Krone in einigen Jahren erneuert werden muss?

Ihre Implantatberatung in der German Dental Clinic in Agdal

In der Praxis von Dr Fenjero Walid wird die Wahl des Materials nach einer klinischen Untersuchung, der Auswertung der Bildgebung und der Beurteilung von Zahnfleisch und Biss besprochen. Der Zahnarzt erläutert Ihnen die Vor- und Nachteile jeder Option in Ihrem konkreten Fall, ohne vorab festgelegte Lösung, bevor er das Zahnimplantat plant.

Wenn Sie in Rabat leben und zwischen einem Titan- und einem Keramikimplantat schwanken, können Sie gern einen Termin vereinbaren, um in Ruhe darüber zu sprechen.

Häufige Fragen

Wirkt ein Zirkonoxidimplantat natürlicher als ein Titanimplantat?

In beiden Fällen ist die Krone der sichtbare Teil, und sie kann aus Keramik bestehen und völlig natürlich aussehen. Der Unterschied betrifft die künstliche Wurzel: Zirkonoxid ist weiß und verhindert so einen grauen Schimmer durch sehr dünnes Zahnfleisch. Bei normal dickem Zahnfleisch und gut positioniertem Implantat ist dieser Schimmer bei Titan selten sichtbar.

Sind Zirkonoxidimplantate genauso stabil?

Zirkonoxid ist sehr druckfest, aber empfindlicher gegenüber Biegekräften als Titan, besonders bei geringen Durchmessern. Die aktuellen Generationen haben sich verbessert, ihre klinische Erfahrung ist jedoch kürzer. Deshalb bleibt man bei Patienten, die knirschen, und in stark belasteten Regionen zurückhaltend.

Kann ich gegen Titan allergisch sein?

Das ist möglich, gilt aber als selten und ist mit den verfügbaren Tests schwer nachzuweisen. Die meisten Probleme an Implantaten entstehen durch bakterielle Entzündung, Überlastung oder eine ungünstige Position. Wenn Sie ausgeprägte Allergien haben, erwähnen Sie dies bei der Beratung: Ihr Zahnarzt berücksichtigt es und kann eine fachärztliche Einschätzung einholen.

Ist ein Titanimplantat bei einer MRT ein Problem?

Titan ist nicht magnetisch und daher mit MRT-Untersuchungen vereinbar. Es kann um das Implantat eine kleine Bildstörung verursachen, was vor allem dann stört, wenn der Kiefer selbst untersucht wird. Informieren Sie die Radiologie vor der Untersuchung immer über Ihre Implantate und Ihren Zahnersatz.

Kann auch bei einem Zirkonoxidimplantat eine Periimplantitis auftreten?

Ja. Kein Material schützt vor einer Entzündung durch bakterielle Plaque. Manche Studien deuten darauf hin, dass sich an Zirkonoxid etwas weniger Plaque anlagert, die Vorbeugung beruht aber immer auf gründlicher Mundhygiene, passender Zwischenraumreinigung und regelmäßigen Kontrollen bei Ihrem Zahnarzt.

Die Informationen auf dieser Seite sind allgemein. Nur eine Untersuchung ermöglicht eine Diagnose und einen passenden Behandlungsplan.

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