German Dental ClinicDr Fenjero Walid · Smile Studio

Ratgeber · 5 Min. Lesezeit

Zahnabszess: Symptome, wann es ein Notfall ist und wie behandelt wird

Ein Zahnabszess heilt nie von selbst, und Antibiotika legen ihn oft nur vorübergehend still. So erkennen Sie ihn, so merken Sie, wann es dringend wird, und so wird er wirklich behandelt.

Von Dr Fenjero Walid ·

Illustration: Zahnabszess: Symptome, wann es ein Notfall ist und wie behandelt wird

Was ist ein Zahnabszess?

Ein Zahnabszess ist eine Eiteransammlung infolge einer bakteriellen Entzündung, die sich an der Wurzelspitze eines Zahnes, im Zahnfleisch oder um einen Weisheitszahn bildet. Typisch sind pochende Schmerzen, ein geschwollenes Zahnfleisch oder eine geschwollene Wange und manchmal Fieber. Er verschwindet nicht von selbst: Die Ursache der Entzündung muss beseitigt werden, in der Regel durch eine Behandlung des Zahnes, eine Entlastung oder eine Zahnentfernung.

Eiter entsteht aus dem Kampf zwischen Bakterien und körpereigener Abwehr. Kann er nicht abfließen, steigt der Druck, daher die mitunter sehr starken Schmerzen. Findet er einen Weg durch Knochen und Zahnfleisch, lässt der Schmerz oft schlagartig nach. Das heißt nicht, dass die Entzündung ausgeheilt ist, sondern nur, dass sie sich einen Ausgang gesucht hat.

Wer einen Abszess ernst nimmt, verhindert seine Ausbreitung auf das umliegende Gewebe und wahrt die Chance, den Zahn zu erhalten.

Die drei Hauptformen des Abszesses

Man unterscheidet drei Hauptformen, je nachdem, wo die Entzündung begonnen hat:

  • Der periapikale Abszess: die häufigste Form. Er geht vom Zahninneren aus. Tiefe Karies, ein Bruch oder ein früherer Unfall haben Bakterien bis zur Pulpa (dem "Nerv") vordringen lassen, die abstirbt und sich infiziert. Die Entzündung tritt dann an der Wurzelspitze in den Knochen aus.
  • Der parodontale Abszess: Er entsteht in einer Zahnfleischtasche zwischen Zahn und Knochen bei Menschen mit Parodontitis. Der Zahn kann dabei noch lebendig sein.
  • Der perikoronare Abszess: Er bildet sich um einen Zahn, der nicht richtig durchbricht, typischerweise einen unteren Weisheitszahn, der teilweise vom Zahnfleisch bedeckt ist und unter dem sich Speisereste und Bakterien sammeln.

Diese Unterscheidung ist kein Detail, denn sie bestimmt die Behandlung: Ein periapikaler Abszess wird durch die Behandlung des Zahninneren versorgt, ein parodontaler durch die Reinigung der Tasche, ein perikoronarer oft durch die Entfernung des betroffenen Weisheitszahnes. Nur eine Untersuchung mit Röntgenbild kann sie auseinanderhalten.

Symptome: woran Sie einen Abszess erkennen

Die Anzeichen hängen von Art und Stadium der Entzündung ab, einige treten aber häufig auf:

  • ein pochender Schmerz im Takt des Pulses, der manchmal ins Ohr, in die Schläfe oder in den Kiefer ausstrahlt;
  • deutlich stärkere Schmerzen beim Zubeißen oder beim Klopfen auf den Zahn;
  • das Gefühl, der Zahn sei länger geworden oder leicht locker;
  • eine Schwellung von Zahnfleisch, Wange, Lippe oder unter dem Kiefer;
  • ein kleines Bläschen am Zahnfleisch, aus dem unangenehm schmeckende Flüssigkeit austritt;
  • Mundgeruch oder Eitergeschmack;
  • druckempfindliche Lymphknoten unter dem Kiefer, Fieber oder ungewöhnliche Müdigkeit.

Beachten Sie: Ein Zahn, der zunächst stark auf Heiß und Kalt reagiert hat und dann gar nicht mehr reagiert, ist nicht unbedingt geheilt. Oft bedeutet das, dass der Nerv abgestorben ist und die Entzündung unbemerkt fortschreitet. Haben Sie Zahnschmerzen ohne Schwellung, hilft Ihnen unser Beitrag Zahnschmerzen: was tun bei der Einordnung.

Wann ist es ein Notfall?

Die meisten Abszesse sollten zeitnah, in den nächsten Tagen, untersucht werden. Bestimmte Zeichen erfordern dagegen eine Vorstellung noch am selben Tag und manchmal den Weg in die Notaufnahme eines Krankenhauses:

  • eine Schwellung, die sich rasch ausbreitet, in Richtung Auge, Schläfe, Hals oder unter die Zunge;
  • Schwierigkeiten, den Mund zu öffnen, zu schlucken oder zu atmen;
  • hohes Fieber, Schüttelfrost, ein allgemeines Krankheitsgefühl;
  • eine harte, warme Schwellung unter dem Kiefer oder am Hals;
  • eine Entzündung bei gefährdeten Menschen: schlecht eingestellter Diabetes, immunsuppressive Behandlung, Chemotherapie, Schwangerschaft oder bestimmte künstliche Herzklappen.

In diesen Fällen kann sich die Entzündung in das Gewebe von Gesicht und Hals ausbreiten (man spricht von einer dentogenen Weichteilphlegmone). Das ist eine ernste Komplikation, die sofort behandelt werden muss. Bei Atem- oder Schluckbeschwerden rufen Sie den Rettungsdienst oder fahren direkt in die Notaufnahme.

Für dringende Fälle ohne allgemeine Warnzeichen erklärt unsere Seite Zahnnotfall in Rabat, wie Sie rasch einen Termin erhalten.

Warum Antibiotika allein nicht reichen

Weit verbreitet ist die Vorstellung, ein Abszess werde mit Antibiotika geheilt. Tatsächlich gelangen Antibiotika über das Blut nicht in das Innere eines Zahnes mit abgestorbenem Nerv und auch nicht in eingeschlossenen Eiter, der nicht durchblutet ist. Sie können die Entzündung einige Tage beruhigen, doch die Ursache bleibt bestehen, und der Abszess kehrt früher oder später zurück, manchmal heftiger.

Internationale Empfehlungen, unter anderem die der American Dental Association, sehen Antibiotika vor, wenn sich die Entzündung ausbreitet oder mit Allgemeinsymptomen einhergeht (Fieber, Unwohlsein, geschwollene Lymphknoten), sowie bei bestimmten gefährdeten Patienten. Auch dann ergänzen sie die zahnärztliche Behandlung, statt sie zu ersetzen.

Einige Verhaltensweisen sollten Sie vermeiden:

  • Reste einer alten Antibiotikapackung einnehmen;
  • ein verordnetes Antibiotikum ohne Rücksprache absetzen, sobald der Schmerz nachlässt;
  • den Termin verschieben, weil es "schon besser geht".

Unnötiger Antibiotikaeinsatz fördert zudem Resistenzen, sodass künftige Infektionen schwerer zu behandeln sind, für Sie wie für andere.

Die Behandlung: entlasten, dann die Ursache beseitigen

Die Behandlung eines Abszesses verfolgt zwei Ziele: den Eiter ableiten, um die Beschwerden zu lindern, und anschließend die Ursache beseitigen, damit er nicht wiederkommt.

Die Entlastung kann auf zwei Wegen erfolgen: durch das Öffnen des Zahnes, um an die Kanäle zu gelangen, wodurch der Eiter häufig abfließt und der Druck nachlässt, oder durch einen kleinen Schnitt ins Zahnfleisch unter örtlicher Betäubung, wenn die Eiteransammlung gut abgegrenzt ist.

Danach richtet sich die Behandlung nach Abszessart und Zustand des Zahnes:

  • Erhaltungsfähiger Zahn, periapikaler Abszess: Eine Wurzelbehandlung reinigt und desinfiziert die Kanäle von innen, bevor sie gefüllt werden. Anschließend wird der Zahn aufgebaut und geschützt. War er bereits wurzelbehandelt, spricht man von einer Revision.
  • Parodontaler Abszess: gründliche Reinigung der Tasche unter Betäubung, gefolgt von der Behandlung der Parodontitis.
  • Nicht erhaltungsfähiger Zahn (Wurzelbruch, zu starke Zerstörung, stark geschädigter Knochen): Eine Zahnentfernung beseitigt die Ursache. Über den Ersatz des Zahnes wird nach der Abheilung entschieden.

Die Schmerzen lassen in den Tagen nach dem Eingriff meist deutlich nach, und eine Kontrolle stellt sicher, dass die Heilung gut verläuft.

Bis zum Termin, Vorbeugung und Beratung in Agdal

Wenn Sie einige Stunden auf Ihren Termin warten müssen, helfen ein paar einfache Maßnahmen:

  • ein gewohntes Schmerzmittel einnehmen, unter Beachtung der Packungsbeilage und Ihrer Gegenanzeigen;
  • die Wange mit einem in ein Tuch gewickelten Kühlpack kurzzeitig kühlen und niemals Wärme auflegen, da diese die Ausbreitung der Schwellung fördern kann;
  • mit lauwarmem Salzwasser spülen;
  • mit leicht erhöhtem Kopf schlafen;
  • die Schwellung nicht selbst aufstechen und kein Aspirin auf das Zahnfleisch legen.

Die beste Vorbeugung bleibt, Karies zu behandeln, bevor sie den Nerv erreicht, blutendes Zahnfleisch behandeln zu lassen und einen immer wieder entzündeten Weisheitszahn untersuchen zu lassen. Regelmäßige Kontrollen decken eine stille Entzündung oft schon auf dem Röntgenbild auf, bevor ein Abszess entsteht.

In der German Dental Clinic in Agdal wird ein Abszess mit klinischer Untersuchung und digitalem Röntgen beurteilt, um Sie rasch zu entlasten und dann die passende Behandlung vorzuschlagen. Wenn Sie in Rabat sind und einen Abszess vermuten, kontaktieren Sie die Praxis oder vereinbaren Sie einen Termin ohne Aufschub.

Häufige Fragen

Kann ein Zahnabszess von selbst ausheilen?

Nein. Selbst wenn der Schmerz verschwindet, etwa weil der Eiter über das Zahnfleisch abgeflossen ist, bleibt die Entzündung bestehen, solange ihre Ursache nicht behandelt wird. Sie kann monatelang still bleiben und dann erneut aufflammen, oft zu einem ungünstigen Zeitpunkt, und dabei weiter Knochen um die Wurzel abbauen. Eine Untersuchung ist daher auch dann nötig, wenn es besser geht.

Kann eine Wurzelbehandlung erfolgen, solange die Wange noch geschwollen ist?

Häufig ja. Das Öffnen des Zahnes und die Reinigung der Kanäle gehören zu den wirksamsten Wegen, einen periapikalen Abszess zu entlasten. In stark entzündetem Gewebe wirkt die Betäubung manchmal etwas schwächer, was der Zahnarzt berücksichtigt. Je nach Schwellung kann er auch zunächst entlasten und die Behandlung in einer zweiten Sitzung abschließen.

Muss ein Zahn mit Abszess immer gezogen werden?

Nein. In vielen Fällen lässt sich der Zahn mit einer Wurzelbehandlung erhalten und anschließend mit einer passenden Restauration schützen. Eine Entfernung wird vorgeschlagen, wenn die Wurzel gebrochen ist, der Zahn sich nicht mehr versorgen lässt oder der Knochenhalt nicht ausreicht. Entschieden wird nach Untersuchung und Röntgenbild.

Ist ein Zahnabszess in der Schwangerschaft gefährlich?

Eine unbehandelte Infektion ist weder für die Mutter noch für das Kind gut. Zahnärztliche Notfallbehandlungen, örtliche Betäubung und bestimmte Röntgenaufnahmen mit Schutz sind in der Schwangerschaft möglich. Teilen Sie immer mit, dass Sie schwanger sind: Der Zahnarzt passt Medikamente und Zeitpunkt der Behandlung an. Warten Sie mit dem Besuch nicht bis nach der Geburt.

Warum sollte man einen Abszess nicht wärmen?

Wärme erweitert die Blutgefäße und kann die Ausbreitung der Schwellung in benachbartes Gewebe begünstigen. Kälte, kurzzeitig und durch ein Tuch auf die Wange gelegt, hilft dagegen, Schwellung und Schmerz bis zum Termin zu begrenzen. Keines von beiden ersetzt die Behandlung der Ursache.

Die Informationen auf dieser Seite sind allgemein. Nur eine Untersuchung ermöglicht eine Diagnose und einen passenden Behandlungsplan.

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