Kann ein wurzelbehandelter Zahn wieder schmerzen?
Ja. In einem wurzelbehandelten Zahn gibt es keinen lebenden Nerv mehr, er ist aber weiterhin von Wurzelhaut und Knochen umgeben, und diese bleiben empfindlich. Überleben Bakterien in den Kanälen oder gelangen sie erneut hinein, entsteht an der Wurzelspitze eine Entzündung, die Schmerzen beim Kauen, eine Schwellung oder ein kleines Bläschen am Zahnfleisch verursacht. In vielen Fällen lässt sich der Zahn dennoch mit einer Revision der Wurzelbehandlung erhalten, also einer zweiten Wurzelkanalbehandlung.
Eine Revision ist keine bloße Wiederholung der ersten Behandlung. Die alte Wurzelfüllung wird entfernt, es wird nach der Ursache gesucht, die den Bakterien das Überleben oder die Rückkehr ermöglicht hat, und das Kanalsystem wird gründlicher gereinigt und verschlossen. Ist das nicht möglich, kommen zwei andere Wege in Betracht: die Wurzelspitzenresektion oder die Entfernung mit anschließendem Zahnersatz.
Welcher Weg sinnvoll ist, hängt vom Zustand der Wurzel, von der Qualität der Krone und vom umgebenden Knochen ab. Dieser Beitrag hilft Ihnen, die Möglichkeiten zu verstehen, bevor Sie sie mit Ihrem Zahnarzt besprechen.
Warum eine Wurzelbehandlung scheitern kann
Eine Wurzel ist kein einzelnes, glattes Röhrchen. Sie enthält oft mehrere Kanäle, feine Seitenäste, Krümmungen und Verbindungen zwischen den Kanälen. Ziel einer Wurzelbehandlung ist es, möglichst viele Bakterien aus diesem verzweigten System zu entfernen und es anschließend dicht zu verschließen. Für eine erneute Entzündung gibt es mehrere Gründe:
- ein unbehandelter Kanal: Manche Zähne, etwa obere Backenzähne, haben häufig einen zusätzlichen, schwer auffindbaren Kanal;
- eine unvollständige Wurzelfüllung: zu kurz gefüllt, Hohlräume entlang des Materials oder nicht gereinigte Bereiche;
- eine Undichtigkeit von oben: Sekundärkaries, ein undichter Kronenrand oder eine zu lange belassene provisorische Füllung lassen Bakterien aus dem Speichel wieder in die Kanäle gelangen;
- eine schwierige Anatomie: stark gekrümmte oder verkalkte Kanäle, ein bei der ersten Behandlung abgebrochenes Instrument;
- ein Riss oder Bruch der Wurzel, mitunter mit bloßem Auge nicht zu erkennen.
Wichtig ist auch: Eine Entzündung an der Wurzelspitze braucht Zeit, um auszuheilen. Ist der Schatten wenige Monate nach der Erstbehandlung noch sichtbar, bedeutet das nicht immer einen Misserfolg. Entscheidend ist, wie er sich im Lauf der Zeit verändert.
Warnzeichen, auf die Sie achten sollten
Ein Misserfolg der Wurzelbehandlung verursacht nicht immer Schmerzen. Manchmal wird er zufällig auf einem Kontrollröntgenbild entdeckt, als dunkler Bereich am Ende der Wurzel. Treten Beschwerden auf, sind diese am häufigsten:
- Schmerzen beim Zubeißen oder beim Klopfen auf den Zahn;
- das Gefühl, der Zahn stehe "höher" als die Nachbarzähne;
- ein kleines Bläschen am Zahnfleisch (Fistel), aus dem gelegentlich Eiter austritt und das dann wieder verschwindet;
- eine Schwellung von Zahnfleisch oder Wange;
- ein anhaltend schlechter Geschmack im Mund;
- ein dumpfer Druck, der in Schüben wiederkehrt, oft bei einer Erkältung oder in anstrengenden Phasen.
Starke Schmerzen mit sich ausbreitender Schwellung, Fieber oder Schwierigkeiten beim Öffnen des Mundes oder beim Schlucken sind ein Notfall: Die Entzündung muss dann rasch entlastet und behandelt werden. Wie Sie solche Situationen erkennen, lesen Sie in unserem Beitrag zum Zahnabszess.
Eine leichte Empfindlichkeit in den Tagen nach einer kürzlich erfolgten Behandlung ist dagegen häufig und kein Zeichen für einen Misserfolg.
Die Diagnose: Untersuchung und Bildgebung
Bevor eine Revision vorgeschlagen wird, muss der Zahnarzt zwei Fragen beantworten: Kommt der Schmerz wirklich von diesem Zahn, und lässt sich der Zahn erhalten?
Zur Untersuchung gehören das Gespräch über Ihre Beschwerden, Klopf- und Tasttests, die Suche nach einer Fistel und das Messen der Zahnfleischtaschen rund um die Wurzel. Eine tiefe, schmale Tasche an nur einer Stelle kann auf einen senkrechten Wurzelbruch hinweisen. In diesem Fall bringt eine Revision in der Regel keine dauerhafte Lösung.
Digitale Einzelbild- und Panoramaröntgenaufnahmen zeigen Länge und Dichte der alten Wurzelfüllung, einen eventuellen Wurzelstift, eine Entzündung an der Wurzelspitze oder Karies unter der Krone. In komplexen Fällen kann eine dreidimensionale Aufnahme (DVT, digitale Volumentomographie) angezeigt sein, um einen übersehenen Kanal, einen Riss oder die genaue Ausdehnung einer Entzündung darzustellen. Ihr Zahnarzt sagt Ihnen, ob diese Untersuchung in Ihrem Fall sinnvoll ist.
Schließlich wird beurteilt, was vom Zahn übrig bleibt: Menge an gesunder Zahnsubstanz, Möglichkeit eines stabilen Aufbaus und Schutzes, Zustand von Zahnfleisch und Knochen.
Die Revision Schritt für Schritt
Die Revision erfolgt unter örtlicher Betäubung, je nach Schwierigkeit meist in einer oder zwei Sitzungen. Die üblichen Schritte sind:
- Isolierung mit Kofferdam: Ein dünnes Gummituch schützt den Zahn während der gesamten Behandlung vor Speichel.
- Zugang zu den Kanälen: Die vorhandene Krone oder Füllung wird durchbohrt oder entfernt. Ist ein Stift in der Wurzel verankert, wird er vorsichtig herausgelöst.
- Entfernen der alten Wurzelfüllung: Die Guttapercha wird mit rotierenden Instrumenten und bei Bedarf mit einem Lösungsmittel entfernt.
- Suche nach übersehenen Kanälen: Bei guter Ausleuchtung und mitunter mit optischer Vergrößerung untersucht der Zahnarzt den Boden der Pulpakammer.
- Reinigung und Desinfektion: Die Kanäle werden aufbereitet und reichlich gespült, insbesondere mit Natriumhypochlorit. Zwischen zwei Sitzungen kann eine Einlage mit Calciumhydroxid in den Kanälen verbleiben.
- Eine neue, dichte Wurzelfüllung bis zum Ende jedes Kanals.
- Versorgung des Zahnes von oben: ein entscheidender Schritt. Ein dichter Aufbau, bei Seitenzähnen oft ergänzt durch eine Zahnkrone oder ein Onlay, schützt vor erneuter Verunreinigung und vor einem Bruch.
Eine Revision ist technisch anspruchsvoller als eine Erstbehandlung: Manche Hindernisse, etwa ein abgebrochenes Instrument oder ein vollständig verkalkter Kanal, lassen sich nicht immer überwinden.
Wurzelspitzenresektion oder Entfernung: die Alternativen
Ist eine Revision von oben unmöglich oder riskant, zum Beispiel bei einem großen, schwer entfernbaren Stift oder bei einer neuen, gut sitzenden Krone, kann eine Wurzelspitzenresektion erwogen werden. Unter örtlicher Betäubung wird das Zahnfleisch über der Wurzel geöffnet, die Entzündung entfernt, die letzten Millimeter der Wurzel abgetrennt und das Kanalende von unten mit einem biokompatiblen Zement, häufig einem Biokeramikmaterial, verschlossen. Sie eignet sich vor allem für Zähne, deren Wurzelfüllung ansonsten von guter Qualität ist.
Die Entfernung ist die vernünftige Lösung, wenn die Wurzel gebrochen ist, der Zahn zu stark zerstört ist, um ihn wieder aufzubauen, oder der umgebende Knochen erheblich geschädigt ist. Anschließend kann der Zahn durch ein Implantat, eine Brücke oder eine herausnehmbare Prothese ersetzt werden; unser Beitrag Implantat oder Brücke vergleicht diese Lösungen.
Den eigenen Zahn zu erhalten ist grundsätzlich vorzuziehen, wenn die Prognose günstig ist. Wer aber an einem aussichtslosen Zahn festhält, verzögert oft dessen Ersatz und lässt den Knochen schwinden. Eine ehrliche Einschätzung der Prognose für jeden einzelnen Zahn ist daher unerlässlich.
Nach der Behandlung und Beratung in Agdal
Nach einer Revision ist eine Empfindlichkeit beim Kauen für einige Tage normal; sie lässt sich meist mit den vom Zahnarzt empfohlenen Schmerzmitteln gut lindern. Beißen Sie nicht kräftig auf den Zahn, solange die endgültige Versorgung nicht eingesetzt ist, denn ein geschwächter wurzelbehandelter Zahn kann brechen.
Die Knochenheilung ist nicht sofort sichtbar. In der Regel wird nach einigen Monaten und später erneut ein Kontrollröntgenbild angefertigt, um zu prüfen, ob die Entzündung zurückgeht. Danach schützen eine sorgfältige Mundhygiene und regelmäßige Kontrollen den Übergang zwischen Zahn und Versorgung.
Einige hilfreiche Fragen an Ihren Zahnarzt:
- Was war Ihrer Einschätzung nach die wahrscheinliche Ursache für den Misserfolg der ersten Behandlung?
- Lässt sich der Zahn nach der Revision stabil wieder aufbauen?
- Welche Alternativen gibt es, und was passiert, wenn ich nichts unternehme?
In der German Dental Clinic in Agdal wird ein schmerzender wurzelbehandelter Zahn mit einer klinischen Untersuchung und digitalem Röntgen beurteilt, gefolgt von einer klaren Erläuterung der Möglichkeiten. Wenn Sie in Rabat sind und eine alte Wurzelbehandlung Ihnen Beschwerden macht, können Sie einen Termin vereinbaren.
Häufige Fragen
Ist eine Revision schmerzhafter als die erste Wurzelbehandlung?
Nein. Sie erfolgt unter örtlicher Betäubung und fühlt sich während der Sitzung in der Regel ähnlich an. Sie kann allerdings länger dauern, weil die alte Füllung entfernt und die Kanäle untersucht werden müssen. Eine Empfindlichkeit beim Zubeißen für einige Tage ist danach häufig, vor allem wenn an der Wurzelspitze eine Entzündung bestand.
Muss die Krone nach einer Revision erneuert werden?
Nicht immer. Sitzt die Krone gut und lassen sich die Kanäle durch sie hindurch erreichen, kann sie manchmal erhalten und die Zugangsöffnung verschlossen werden. Ist sie alt, undicht oder befindet sich Karies darunter, ist ein Austausch besser, denn ein dichter Verschluss des Zahnes von oben ist entscheidend für den Erfolg der Revision.
Reichen Antibiotika aus, um einen entzündeten wurzelbehandelten Zahn zu heilen?
Nein. Die Bakterien sitzen im Inneren der Kanäle, wo im Blut zirkulierende Antibiotika sie nicht erreichen. Bei sich ausbreitender Schwellung oder Fieber können sie verordnet werden, die Heilung erfordert aber die Behandlung der Ursache: Revision, Wurzelspitzenresektion oder Entfernung, je nach Situation.
Wann weiß ich, ob die Revision erfolgreich war?
Die Beschwerden klingen oft rasch ab, der Knochen um die Wurzel baut sich jedoch langsam wieder auf. Eine Röntgenkontrolle ist in der Regel nach einigen Monaten vorgesehen, und die vollständige Ausheilung kann je nach Größe der Entzündung länger dauern. Ihr Zahnarzt legt mit Ihnen den Kontrollplan fest.
Kann ich einen wurzelbehandelten Zahn behalten, der nicht schmerzt, aber im Röntgenbild eine Entzündung zeigt?
Auch eine schmerzfreie Entzündung ist ein Zeichen einer chronischen Infektion. Das Vorgehen hängt von ihrem Verlauf, der Qualität der vorhandenen Behandlung und Ihren Plänen ab, etwa einer neuen Krone. Der Zahnarzt vergleicht die Röntgenbilder über die Zeit und erklärt Ihnen, ob jetzt behandelt oder zunächst beobachtet werden sollte.
Die Informationen auf dieser Seite sind allgemein. Nur eine Untersuchung ermöglicht eine Diagnose und einen passenden Behandlungsplan.



